Das Kreuz als Symbol der „Abendländischen Kultur“?

Das Kreuz symbolisiert für viele Christen den Opfertod Jesu, Liebe und den Sieg der Hoffnung über Sünde und Tod.

Und für andere symbolisiert das Kreuz den Würgegriff, in dem die katholische Kirche das Abendland seit dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gehalten hat. Das Kreuz steht daher auch für Mord und Totschlag, die Unterdrückung anderer Völker, Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen, Antisemitismus, Folterungen grausamster Art, Hexen- und Ketzerverbrennungen, religiöse Kriegslust, Nepotismus, politischen Absolutismus, Sieg des Glaubens über den Verstand und Volksverdummung.

Für die Werte des Abendlandes, die ihre Wurzeln teilweise tief in der griechischen – vorchristlichen – Antike haben aber hauptsächlich auf die Errungenschaften der religionskritischen Aufklärungsbewegung der Neuzeit zurückzuführen sind, steht das Kreuz schon gar nicht. Demokratie, Menschenrechte, Bildung, Chancen- und Geschlechtergleichheit und viele andere Selbstverständlichkeiten der Gegenwartskultur wurden der Kirche abgerungen und nicht von ihr gestiftet. Und die Barmherzigkeit wurde ebenfalls nicht vom Christentum gepachtet: karitative Organisationen kennen nämlich alle Glaubensgemeinschaften oder sind gar nicht auf eine religiöse Motivation zurückzuführen.

Wie christlich ist das Abendland wirklich, wenn die bildenden Künste stets die Antike als Vorbild gehabt haben, das römische Recht noch immer Schule macht, Bildung – per Definition – mit Glauben nichts zu tun hat und selbst die heidnischen, jüdischen, römischen, griechischen und persischen Fundamente des Christentums heute noch deutlich sichtbar sind?

Warum weder das Kreuz noch die religiöse Erziehung im Kindergarten etwas verloren haben

Österreich ist eine demokratische Republik (Art 1 B-VG). Demokratie setzt nicht nur die Meinungs- und Glaubensfreiheit aller Mitglieder der Gesellschaft voraus sondern auch das Recht jeder Person, an etwas nicht zu glauben und sich den Bräuchen, Überzeugungen oder Handlungen anderer Personen nicht zu unterwerfen. Und schon gar nicht die Erziehung seiner Kinder entsprechend der „Mehrheitsreligion“ zu gestalten.

In den meisten Bundesländern Österreichs sind jedoch das Anbringen von Kreuzen sowie die Erteilung einer religiösen „Bildung“ in öffentlichen Kindergärten gesetzlich angeordnet. Die Meinung der betroffenen Eltern dazu ist den föderalistischen Gesetzgebern großteils egal.

Nicht alle Eltern wollen jedoch, dass die Bildung ihrer Kinder unter dem Kreuz stattfinden soll. Viele Eltern sind keine Christen, gehören einer anderen Konfession an oder sind überhaupt konfessionsfrei. Und Kinder haben ja eigentlich keine Religion, in der sie wirklich glauben (können). Mit dem permanenten Anbringen eines Kreuzes wird einem zweieinhalbjährigen Kind gleich klargemacht, „wer der Herr im Haus“ ist. Eine religiöse Baummarkierung, sozusagen, wird vollbracht. Anders formuliert: die tägliche stundenlange Zwangskonfrontation eines Kleinkindes mit einem religiösen Symbol – insbesondere wenn dies den leblosen Körper eines halbnackten und zu Tode gequälten Mannes beinhaltet - hat das Potenzial indoktrinierend zu wirken und ist daher dazu geeignet, die Vorrangstellung der elterlichen weltanschaulichen Kindererziehung zu verletzen. Damit wird – entgegen den Bestimmungen der österreichischen Verfassung und insbesondere der Europäischen Menschenrechtskonvention (die in Österreich Verfassungsrang hat, vom Vatikan hingegen nie ratifiziert wurde) – der Tatbestand der Diskriminierung begründet. Und dass damit die religiöse Neutralität des Staates – der Grundbaustein einer Demokratie - in Frage gestellt wird versteht sich schon ohnehin fast von selbst.

Das abgehängte Kreuz wird nicht durch den Halbmond ersetzt werden

Mit dem Kreuz sind viele Emotionen verbunden und es lässt sich damit bestens Politik machen.

Ein gern verwendetes Pro-Kreuz Argument baut auf einer oft verwendeten Grundlage auf, nämlich auf Angstmache. Oftmals wird behauptet, dass das Entfernen von Kreuzen aus Kindergärten und Schulen Tür und Tor für den Halbmond, wenn nicht gleich der gottlosen Wertlosigkeit, öffnen wird. Das Kreuz dient, sozusagen, dem Schutz des Abendlandes und seiner Werte.

Dem kann nicht gefolgt werden. Gerade die religiöse Neutralisierung des Staates – und davon müssen alle Kirchen und Religionsgesellschaften betroffen sein! – würde den bereits sich entfaltenden Kampf der Kulturen entschärfen. Unter dem Kreuz geführte Kreuzzüge braucht heutzutage keiner, der bei Trost ist, und dem kulturellen und weltanschaulichen Pluralismus nützt eine gesetzlich angeordnete Kreuzanbringung auch nicht wirklich.

Vielmehr gilt der Umkehrschluss: erst die ausnahmslose Verbannung von religiösen Symbolen aus Einrichtungen der öffentlichen Hand wird sicherstellen, dass dort nicht eines Tages die religiösen Symbole der „anderen“ hängen werden.

Das Kreuz bildet lange nicht mehr schon alleine wegen der großen und zunehmenden Anzahl der Konfessionsfreien den kleinsten gemeinsamen Nenner der österreichischen Gesellschaft.

Die Initiative Religion ist Privatsache

Die Initiative Religion ist Privatsache versteht sich als Interessenvertretung für Personen, die sich vom Staat religiös bevormundet oder in anderer Art, aufgrund ihrer Konfessionsfreiheit, diskriminiert fühlen.

Diesem Mission Statement verpflichtet finanziert die Initiative Religion ist Privatsache die erste „Kreuzanfechtung“ Österreichs und wird über diese Plattform laufend aktuelle Informationen zum Verfahren liefern.

Die Meldestelle der Initiative Religion ist Privatsache bietet jeder Person die Möglichkeit, Diskriminierungsfälle namentlich oder anonym zu melden. Werden Sie oder Ihre Kinder in Zusammenhang mit dem Religions- bzw. Ethikunterricht benachteiligt? Sind Sie Opfer von Reli-Mobbing am Arbeitsplatz geworden? Wurden Sie von einem Vertreter einer Kirche oder Religionsgesellschaft bzw. in einer deren Einrichtungen misshandelt? Sie sind nicht alleine! Je nach Möglichkeit und fallbezogen bieten wir Ihnen Beratung oder weitere Unterstützung an. Kostenlos und vertraulich.